Date:
Location:
Zumikon, CH

Asylunterkunft Zumikon

Die geplante Asylunterkunft in Zumikon entsteht in der Zone für öffentliche Bauten am nordwestlichen Abschluss des Grundstücks des Schulhauses Farlifang. Die langgezogene Parzelle reicht von der Farlifangstrasse bis zur Dorfstrasse und ist derzeit lediglich mit einer kleinen Garage bebaut. Das Quartier ist durchgrünt und von einer lockeren Bebauung mit Wohnhäusern geprägt, die sich jeweils zum Strassenraum orientieren. Der Neubau nimmt in seiner Dimension Bezug auf die schlanken Baukörper des benachbarten Schulhauses. Senkrecht zum leicht abfallenden Terrain gesetzt, wird er in das Gelände eingearbeitet und löst sich von den Grundstücksgrenzen ab. Laubengänge fassen die Erschliessung dreiseitig als „kalte“ Zonen und prägen so den Ausdruck.

Die Zufahrt erfolgt über die Farlifangstrasse. Um den Charakter des durchgrünten Quartiers zu wahren, werden die versiegelten Flächen auf ein Minimum reduziert und die verbleibenden Grünflächen ergänzt. Der kompakte, dreigeschossige Baukörper mit einer Höhe von maximal 8,80 Metern wird von einem schützenden, auskragenden Flachdach abgeschlossen, das gleichzeitig für konstruktiven Holzschutz sorgt. Aufbauten beschränken sich auf Photovoltaikanlagen und konzentrierte Haustechnikinstallationen.

Mit Grundmassen von 32,90 mal 13,60 Metern wird der Baukörper bewusst ins Gelände integriert. Stirnseitige Treppenanlagen erschliessen das Gebäude, während geschossweise Laubengänge auf der Südostseite die Einheiten verbinden. Vorgesehen ist eine vorfabrizierte Elementbauweise in Holz, die ein repetitives, einfaches Konstruktionsprinzip verfolgt. Dieses garantiert Robustheit, kurze Bauzeiten und eine nachhaltige Nutzung. Die Tragstruktur besteht aus Stützen, Unterzügen und Flachdecken, die über Wandscheiben ausgesteift werden. Holz-Beton-Verbunddecken sorgen für die nötige Masse, um akustische Anforderungen sowie Temperaturpufferung zu erfüllen. Das ausgesteifte Dach ist so dimensioniert, dass es eine solare Stromerzeugung von 50 kg/m² trägt.

Die Vorfabrikation und Holzbauweise reduzieren Eingriffszeit und Belastung vor Ort, wodurch Immissionen, Bauzeit und das Risiko von Beschädigungen minimiert werden. Über die Laubengänge sind die Wohneinheiten erschlossen. Flexible Schaltzimmer erlauben die Anpassung der Wohnungsgrössen zwischen 1,5 und 6,5 Zimmern, wobei pro Zimmer zwei Schlafplätze vorgesehen sind. Jede Einheit erhält eine robuste Küche, eine hindernisfrei ausgelegte Sanitärzelle und zweckmässige Räume. Im Inneren dominiert eine zurückhaltende Materialität: gegossene Bodenbeläge, Wände aus Gips und Holz sowie sichtbare Holz- oder Betonoberflächen bei den Decken.

Die sichtbare Holzbauweise unterstreicht nicht nur die Atmosphäre, sondern bringt bauphysikalische Vorteile durch verbesserte Phasenverschiebung bei Witterungseinflüssen. Gleichzeitig leistet sie einen Beitrag zur CO₂-Bilanz. Wenn möglich, wird Holz aus der Umgebung verwendet, um Transportwege und Energieaufwand zu minimieren.

Das Gebäude steht auf einer Beton-Flachfundation. Die Massivholzwände werden mit einer Vorvergrauung versehen, um gleichmässige Abtrocknungszeiten zu sichern. Der Witterungsschutz erfolgt im Wesentlichen über das weit auskragende Dach. Die offene Dachkonstruktion ermöglicht zudem eine natürliche Belüftung der Innenräume. Das anfallende Regenwasser wird kontrolliert verzögert (Retention) abgeführt.

Die Materialisierung setzt auf rohe, rohbelassene Baustoffe, die mit der Zeit eine würdige Patina entwickeln. Dies knüpft an die historische Bausubstanz der Umgebung an und verleiht dem Neubau Beständigkeit. Holz, Beton und die plastisch gegliederten Fassaden wechseln sich ab und erzeugen durch Licht- und Schattenspiele eine ausgewogene, rhythmische Erscheinung.

Insgesamt verfolgt die Asylunterkunft einen pragmatischen und nachhaltigen Ansatz: ein klarer, kompakter Baukörper in Holzbauweise, funktional ausgestattet, ökologisch verantwortungsvoll und mit einer Materialität, die auf Einfachheit, Robustheit und Dauerhaftigkeit setzt. Damit wird eine Anlage geschaffen, die nicht nur die aktuellen Anforderungen erfüllt, sondern sich langfristig in das Quartier einfügt.

 

Bauherrschaft: Politische Gemeinde Zumikon

Planung: Rossetti+Wyss Architekten, SJB Kempter Fitze AG, Elektro-Ingenieure Meyer Partner AG, CLHT Planungsbüro GmbH, Bünder Hydroplan AG, BAKUS Bauphysik & Akustik AG, Jäckli Geologie AG

Planerwahlverfahren: 2022, 1. Rang