Date:
Location:
Gstaad, CH

Bachmatte Gstaad

Die Bachmatte in Gstaad-Grund liegt inmitten einer landschaftsprägenden Streusiedlung, deren lockere Anordnung von landwirtschaftlich genutzten Gebäuden bestimmt wird. Traditionell orientieren sich die grösseren Gehöfte an strategisch gewählten Standorten, so auch dieser Hof. Namensgebend ist der Bach, der einst über die gesamte Wiese floss und dessen ehemaliger Lauf noch heute spürbar ist. Beim Graben treten zahlreiche Rundsteine zutage, geformt vom Wasser und als stille Zeugen der Geschichte im Boden zurückgeblieben.

Die bestehende Bausubstanz ist ein über 150 Jahre alter Strickbau in Massivholzbauweise, bestehend aus Hausteil, Ökonomieteil mit Stall und der darüberliegenden Scheune. Zwischen diesen beiden Hauptbaukörpern liegt der Schopf, der bisher als Abstellraum für Geräte und Holz diente. Das Haus wurde ursprünglich in Gstaad errichtet und vor über hundert Jahren an den heutigen Standort versetzt. Damals war der Wert des Baumaterials Anlass für den aufwendigen Umzug, heute würde man von der Weiterverwendung grauer Energie sprechen.

Beim Umbau bleibt der Stall weiterhin in Betrieb. Der Hausteil wird im Erdgeschoss zu einer kleinen Wohnung umgebaut, während im Obergeschoss und in der ehemaligen Scheune die neue Hauptwohnung entsteht. Der Schopf übernimmt dabei die vertikale Erschliessung mit einer neuen Massivholztreppe, die Räume und Niveaus verbindet. Von Eingang und Zwischenpodest führen Zugänge zu separaten Jokerzimmern, die flexibel zugeschaltet oder unabhängig genutzt werden können. In der Scheune wird eine Galerie eingezogen, jedoch nur über ein Drittel der Fläche, sodass der überhohe Raum erhalten bleibt und seine räumliche Grosszügigkeit bewahrt.

Die beiden Hauptbaukörper werden auf ihre ursprüngliche Substanz zurückgeführt, sämtliche späteren Einbauten entfernt. Der Strickbau bleibt erhalten und wird durch neue Massivholzelemente ergänzt. Geschädigte Schwellenhölzer im Erdgeschossbereich werden sorgfältig ausgebaut und ersetzt, während die traditionelle Bauweise mit Umlüftungsräumen beibehalten wird. Altholzoberflächen werden gereinigt oder gebürstet, um Patina und Charakter zu bewahren und dennoch eine verbesserte Oberfläche zu erzielen. Auch das alte Dach mit seinen kleinen Schindeln bleibt sichtbar: Die Luftdichtigkeit, Dämmung und Wasserführung werden von aussen ergänzt, sodass die historische Untersicht innen unverändert erhalten bleibt.

Die haustechnischen Installationen sind bewusst reduziert und werden konzentriert eingebaut. Besonderes Augenmerk liegt auf den Bodenaufbauten, deren alte Beläge – so weit intakt – weiterverwendet werden. Die Wasserversorgung erfolgt weiterhin aus der hofeigenen Quelle, deren Leitung saniert wird; der leicht schwefelhaltige Zufluss speist auch den Brunnen vor dem Haus.

Das Projekt versteht sich als Weiterbauen im besten Sinne. Struktur, Bauelemente und Patina des Bestandes werden in einen neuen Zyklus überführt. Bei Projektbeginn war unklar, wie sich der Bestand präsentieren würde, doch durch sorgfältige Sondierungen, Rückbau und Sicherung konnte ein Grossteil der Substanz erhalten bleiben. Das Massivholz bewies dabei einmal mehr seine Nachhaltigkeit und Flexibilität.

Die Bachmatte zeigt, wie Tradition und Neuerung im Massivholzbau ineinandergreifen können. Mit Respekt vor der Substanz, klugen Ergänzungen und minimalinvasiven Eingriffen entstand ein Gebäude, das die Würde seiner historischen Bausubstanz wahrt und gleichzeitig zeitgemässen Wohnraum bietet. Es steht für Konsistenz, Wiederverwendung und die grosse Qualität des Weiterbauens im Bestand – getragen von der Ausstrahlung des Materials und der Geschichte des Ortes.

 

Bauherrschaft: Privat

Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Classen Haustechnik GmbH, Zürcher Elektroplanungen AG, Bünder Hydroplan AG

Fotos: © Jürg Zimmermann