Date:
2022
Location:
Herrliberg, CHBadeanstalt Steinrad Herrliberg
Die Badeanstalt Steinrad in Herrliberg liegt direkt am Zürichsee, geschützt durch die Seestrasse im Rücken. Mit der geplanten Sanierung und Redimensionierung dieser Kantonsstrasse eröffnet sich die Möglichkeit, das Areal der Badeanstalt neu zu ordnen und zu erweitern. Ziel des Projekts ist es, die ortsspezifischen Qualitäten und die gartengestalterischen Elemente zu bewahren und zugleich gezielt zu verstärken. Die Intervention bleibt subtil und integriert sich harmonisch in die bestehende Umgebung. Als baulicher Abschluss entsteht eine langgezogene Natursteinmauer entlang der Strasse, die einerseits den Rücken der Badeanstalt bildet, andererseits im Norden als Anknüpfungspunkt für das neue Kiosk- und Garderobengebäude dient. Der Neubau orientiert sich zur Wand hin und wird deutlich vom Seeufer abgerückt. Damit erhält die Badeanstalt einen klar gefassten Rahmen, während der provisorische Kiosk auf dem Parkplatz durch eine dauerhafte Lösung ersetzt wird. Dieses Vorgehen stärkt die Rolle der Badeanstalt als beliebte, rege genutzte Anlage und sichert ihre Zukunft durch eine beständige bauliche Ausgestaltung.
Das neue Garderoben- und Kioskgebäude setzt sich bewusst von der bisherigen Bauweise ab. Statt in leichter Konstruktion entsteht der Ersatzbau in vorfabrizierter Massivholzbauweise. Diese Entscheidung dient mehreren Zwecken: Einerseits verteilt die regelmäßige Konstruktion die Lasten gleichmäßig auf das Terrain, wodurch das aufgeschüttete Konzessionsland geschont wird. Andererseits reduziert die Vorfabrikation die Eingriffszeit vor Ort, was in der sensiblen Lage direkt am See entscheidend ist. Auch die Hochwassersicherheit wurde bedacht: Der Boden des Neubaus wird um knapp siebzig Zentimeter angehoben, sodass das Gebäude auch bei erhöhtem Wasserstand geschützt bleibt.
Der Einsatz von Massivholz bringt zudem bauphysikalische Vorteile. Im Gegensatz zu leichten Konstruktionen gewährleistet die größere Masse eine bessere Phasenverschiebung bei wechselnden Witterungsverhältnissen und trägt damit zu einem angenehmeren Raumklima bei. Gleichzeitig steigert der erhöhte Holzanteil den Beitrag zur CO₂-Bilanz. Die Bauherrschaft legt Wert darauf, Holz aus der Region einzusetzen, um Transportwege zu verkürzen und den Energieaufwand möglichst gering zu halten.
Die Tragstruktur des Gebäudes ist einfach und effizient. Zwei parallel angeordnete Wandscheiben tragen die Dachbinder, die in regelmäßigen Abständen quer dazu aufliegen. Die Dachplatte verbindet die Binder zu einem ausgesteiften Ganzen. Untergebracht sind in diesem Baukörper die Frauen- und Männergarderoben, ein kleiner Gastronomiebereich in Form des Kiosks sowie öffentliche Toilettenanlagen, die strassenseitig integriert sind und ganzjährig genutzt werden können. Das übrige Gebäude bleibt unbeheizt und ist für eine Badesaison von März bis Oktober ausgelegt.
Besonderes Augenmerk gilt der Materialisierung und der Dauerhaftigkeit der Konstruktion. Die Massivholzwände werden mit einer Vorvergrauung behandelt, die regelmäßige Abtropf- und Abtrocknungszeiten begünstigt. Das vorstehende Dach schützt die Fassaden wirkungsvoll vor der Witterung, während die offenen Zwischenräume der Dachbinder eine natürliche Belüftung der innenliegenden Räume ermöglichen. Die technischen Installationen beschränken sich auf das Notwendige, bleiben sichtbar und sind dadurch jederzeit zugänglich. Die Dachhaut wird durch ihre leichte Ausbildung wenig belastet; das anfallende Regenwasser wird kontrolliert über Leitungen dem Meteorwasserkanal zugeführt.
In der Materialwahl spiegelt sich eine Haltung, die auf Einfachheit und Authentizität setzt. Holz, Beton und Stein werden roh belassen und in ausgewogener Balance kombiniert. Diese Materialien altern würdevoll, entwickeln mit der Zeit eine Patina und knüpfen so an die historischen Bauzeugen der Umgebung an. Damit bleibt die Badeanstalt nicht nur funktional, sondern erhält auch eine atmosphärische Qualität, die ihre Geschichte weitererzählt und zugleich in die Zukunft weist.
Mit der Sanierung und dem Ersatzneubau wird die Badeanstalt Steinrad gestärkt: als Ort des Rückzugs, der Gemeinschaft und als Teil des kollektiven Gedächtnisses am Zürichsee.
Bauherrschaft: Privat
Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Raderschall Partner AG, Flückiger Bosshard AG, Erne Holzbau AG, Bünder Hydroplan AG, Jäckli Geologie AG
Aussenvisualisierungen: © Nightnurse Images AG
Studienauftrag: 2021, 1. Preis

