Date:
2004
Location:
Zürich, CHCabaret Voltaire Dada Zürich
Das Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1, Geburtsort des Dadaismus, wurde 2004 zu einem zeitgenössischen Kulturort transformiert. Ziel des Projekts war es, die räumliche Struktur durch präzise Eingriffe zu stärken und gleichzeitig die historische Substanz als Bühne für Dada offenzuhalten. Alle notwendigen Infrastrukturen wurden in Form gezielter Implantate konzentriert, sodass die vier Haupträume von dauerhaften Installationen befreit und in Beziehung gesetzt wurden.
Drei neue Volumina verbinden die bestehenden Räume – Showcase, Leseraum, Ausstellungsraum und Veranstaltungsraum – miteinander und erzeugen erweiterte Sicht- und Raumbezüge. Diese Verdichtungen sind Orte erhöhter Ausbaudichte, während die übrigen Bereiche bewusst roh belassen werden. Die Übergangszonen sind klar programmiert: Zwischen Showcase und Ausstellungsraum verbinden sich Verkauf, Arbeit und Präsentation mit Kasse, Theke und Vitrinen. Die Verbindung zwischen Showcase und Leseraum integriert Internet-Arbeitsplätze und eine kleine Bibliothek. Zwischen Leseraum und Veranstaltungsraum liegt die Bar, die durch Schiebetüren flexibel genutzt werden kann und auch eigenständig über die Spiegelgasse erschlossen ist.
Die grösseren Raumeinheiten bleiben beweglich: Mobile Abschlüsse ermöglichen es, die Räume zu einem Kontinuum zu verbinden oder separat zu betreiben. Der bewusste Kontrast zwischen fertigen Einbauten und ephemeren, roh belassenen Flächen bietet Künstlern und Besuchern Raum zur Aneignung und Gestaltung, wodurch sich das Haus als wandelndes Gesamtwerk versteht.
Die einzelnen Bereiche folgen klaren Funktionen: Der Gewölbekeller dient halbjährlich wechselnden Ausstellungen und ist lediglich mit einem Medienrost ausgestattet. Das Showcase öffnet sich mit direkter Sichtbeziehung zur Münstergasse und bildet den Eingang zum Cabaret Voltaire; es bleibt flexibel bespielbar und vermittelt den ersten Eindruck des Hauses. Der Leseraum verstärkt den Bezug zu Fassade und Fenstern und lädt zum Verweilen mit Büchern, Kaffee oder Zeitung ein. Der Veranstaltungsraum selbst bleibt in seiner ursprünglichen Hülle erhalten, wurde jedoch akustisch und brandschutztechnisch ergänzt. Ein Medienrost ermöglicht flexible technische Installationen, wodurch der Raum als Bühne für unterschiedlichste künstlerische Aktivitäten genutzt werden kann.
So entsteht ein Kulturort, der historische Authentizität mit Offenheit für Veränderung verbindet – ein Haus, das im Geiste des Dadaismus stets in Bewegung bleibt.
Bauherrschaft: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Amt für Hochbauten der Stadt Zürich
Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Lüchinger Meyer Partner AG, Amstein+Walthert AG, Walhauser Haustechnik AG, G.Bächli AG
Fotos: © Lorenz Bettler, © Maurice K. Grünig
Kosten: CHF 1.2 Mio.
Studienauftrag: 2003, 1. Preis

