Date:
2012
Location:
Wollishofen, CHTelefonzentrale Wollishofen
Innere Verdichtung durch Umnutzung
Die Telefonzentrale in Wollishofen wurde 1938 von der damaligen PTT erbaut und in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert. 1952 kam ein zweigeschossiger Anbau auf der Südseite hinzu, 1965 eine Aufstockung mit Schrägdach. Nach der Veräusserung durch die Swisscom im Jahr 2010 erfolgte bis Ende 2012 ein Totalumbau, der das Gebäude um ein zusätzliches Dachgeschoss erweiterte.
Die Liegenschaft zählt bis heute zu den wichtigen Telekommunikationszentralen im Raum Zürich. Gleichzeitig verstösst sie mit den Erweiterungen der Vergangenheit gegen heutige Bau- und Zonenordnungen: Abstandsvorschriften, Gebäudehöhe und Ausnutzung sind überschritten. Dennoch konnte aufgrund der Besitzstandsgarantie eine weitere Aufstockung genehmigt werden, da die zulässige Geschossanzahl noch nicht ausgeschöpft war.
Mit den technischen Entwicklungen in der Telekommunikation reduzierte sich der Flächenbedarf erheblich. Die Betriebsräume konzentrieren sich heute auf das Unter- und Erdgeschoss, sodass die Obergeschosse für eine neue Nutzung freigegeben werden konnten. Das Projekt sah ihre Umnutzung zu Wohnungen vor, ergänzt durch eine Attikawohnung mit grosszügigen Terrassen. Der Innenausbau wurde bewusst nutzungsneutral geplant, die technischen Installationen konzentriert eingebaut, sodass auch künftige Änderungen ohne grossen Aufwand möglich sind. Ein Aufzug im bestehenden Treppenhaus sorgt für hindernisfreien Zugang. Keller- und Technikräume befinden sich im Untergeschoss, wo auch die neue Haustechnikzentrale in den ehemaligen Tankraum integriert wurde.
Mit über 650 Quadratmetern zusätzlicher Wohnfläche entstand so neuer Lebensraum an gut erschlossener Lage, ohne zusätzliche Landbeanspruchung oder Infrastruktur. Das Projekt ist ein Beispiel für innere Verdichtung, die nicht nur durch grosse Siedlungen, sondern auch durch kleinere, kontinuierliche Umbauten und Erweiterungen entsteht. Die Telefonzentrale wird so zum Sinnbild des Weiterbauens an der Substanz.
Die Fassaden reagieren auf die neue Nutzung, bleiben jedoch zurückhaltend. Im ersten Obergeschoss werden die Fenster im Leibungsbereich vergrössert, was zu einem ruhigen, einheitlichen Erscheinungsbild führt. An der Kalchbühlstrasse ergänzen zwei Balkone die Strassenfassade. Der Baukörper wird nach den Eingriffen instand gestellt und in Elfenbeinton gestrichen, die Fenster kontrastieren in dunklem Aubergine. Ein umlaufendes Geländer schliesst das Gebäude nach oben ab.
Die Obergeschosse zeichnen sich durch stützenfreie Grossräume aus, die durch raumbildende Klammern strukturiert werden. Diese enthalten die gesamte Infrastruktur wie Küchen, Nasszellen und Reduits. Die Zimmer sind entlang der Längsfassaden organisiert, sodass eine klassische Enfilade entsteht. Grosse Drehtüren ermöglichen es, die Raumabfolgen flexibel zu öffnen oder zu schliessen. Das Farb- und Materialkonzept orientiert sich am menschlichen Massstab: Farbakzente strukturieren die Raumtiefe, der Grundton bringt Wärme in die grosszügigen Gefässe.
Das Attikageschoss wurde als vorfabrizierter Elementbau aufgesetzt. Eine Ständerkonstruktion bildet die Basis, beplankt mit Platten, die teils auch strukturell wirken. Türen, Leuchten und Schalter sind integriert. In der Fassadenflucht treten grossformatige Gläser an die Stelle des Putzes, wodurch das Dachgeschoss leicht und gedrungen wirkt. Rückspringende Teile sind mit hinterlüfteten Eternitplatten verkleidet. Im Innenraum prägt Birkensperrholz die Oberflächen, die Böden sind in Anhydrit ausgeführt.
Mit der Umnutzung der Obergeschosse und der Aufstockung erhält die Telefonzentrale Wollishofen eine neue Funktion und Identität. Der historische Baukörper wird respektvoll weitergebaut, die Substanz weitgehend erhalten und durch gezielte Eingriffe ergänzt. So bleibt das Gebäude ein markanter Bestandteil des Quartiers, während es gleichzeitig in neuem Glanz als Wohnbau für die Zukunft bereitsteht.
Bauherrschaft: Kalchbühl Raum AG
Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Urech Bärtschi Maurer AG, Zürcher Elektroplanungen AG, KWP Energieplan AG, Bünder Sanitärplanung AG, Bakus Bauphysik & Akustik GmbH
Fotos: © Jürg Zimmermann

