Date:
2002
Location:
Biel, CHTerritoire imaginaire EXPO.02 Biel
Der Pavillon für die Ausstellung ‘Territoire imaginaire’ findet seinen Platz auf dem Festland der Arteplage Biel. Unter dem Thema „Macht und Freiheit“ werden die Besucher nach dem Haupteingang entlang der beidseitig aufgereihten Ausstellungselemente zur Seebeckenfläche geführt. Der Pavillon selbst wird direkt von der Mittelachse erschlossen, die Ausstellungshalle liegt eingebettet zwischen alten Parkbäumen. Entgegen der linearen Ausgestaltung der Haupterschliessung bleibt der Baukörper von allen Seiten wahrnehmbar.
Die Ausstellung macht Visionen der Zukunft einem breiten Publikum zugänglich und spiegelt dies bereits in der Erscheinung des Pavillons wider. Das Projekt entspringt der Wahrnehmung des Baukörpers: Interferenzen erzeugen Neugier, da sich das Abbild des Pavillons kontinuierlich verändert. Ist es ein Hologramm, eine Täuschung oder eine Irritation? Die hintereinander geschichteten Körper und Flächen vermitteln ätherische Tiefen und Schattenbilder, während räumliche Eindrücke in planimetrische Wahrnehmungen übergehen. Interferenz dient als Werkzeug, um die Kraft des Baukörpers zu verstärken, ohne die Vermittlung innerer Botschaften zu verlieren. Der Besucher bewegt sich auf dem Messegelände, wobei sich das Erscheinungsbild mit jedem Standortwechsel und unterschiedlichem Tageslicht verändert. Bei Stillstand entsteht eine statische Ruhe, die sich einprägt und eingefroren bleibt.
Die volumetrische Setzung des Pavillons verleiht der Hauptachse räumliche Tiefe. Der Baukörper ist keine flache Kulisse an der Strasse, sondern ermöglicht Ein- und Ausblicke in die Innenräume der Ausstellung. Die Dachstruktur überspannt stützenfrei das Gebäude und ruht auf den tragenden äusseren Fassaden, wodurch die innere Hülle innerhalb der Ausstellungsgestaltung flexibel definiert werden kann. Bewegungen und Interferenzen entstehen im Zusammenspiel der beiden Hüllen; die vertikale Anordnung von offenen und geschlossenen Elementen intensiviert die horizontale Bewegung des Betrachters. Eine Schrägstellung der einen Hülle um vier Grad erzeugt die gewünschten Interferenzeffekte.
Das Zusammenspiel von Massstab, Rhythmus, Tragverhalten, Licht und Farbe wird durch Simulationen, Modelle und Prototypen überprüft. Primär- und Sekundärsystem sind thematisch verbunden, jedoch bautechnisch weitgehend getrennt, sodass die Ausstellung parallel zum Bauprojekt entwickelt werden kann. Eine Präsenz der Ausstellungsprojekte an den Fassaden ist vorgesehen. Durch die Unabhängigkeit der primären Tragstruktur bleibt der Pavillon für spätere Umnutzungen flexibel, wobei der Ausdruck des Gebäudes hauptsächlich durch diese Struktur bestimmt wird.
Bauherrschaft: Verband Schweizerischer Kantonalbanken, gsg Projekt Partner AG
Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Lüchinger Meyer Partner AG, Amstein+Walthert AG
Fotos: © Walter Mair, © Yves André, © Hannes Henz
Kosten: CHF 9.5 Mio. (Pavillon 2.3 Mio.)
Studienauftrag: 2001, 1. Preis

