Date:
Location:
Gunzwil, CH

Totoro Gunzwil

Kann sich die Wahrnehmung der unvollkommenen Schönheit von der Endlichkeit lösen und überdauern?

Totoro, der Waldgeist, behütet die Rohheit und die Haltung – es ist eine ersehnte Zurückhaltung, mit dem Ansatz rohe, rohbelassene, unbeschichtete und unvollkommene Materialien subtil zueinanderzustellen und mit Geduld, die Patina abwartend, in den leeren Gefässen mitzualtern, ehrwürdig und gelassen, weit entfernt von Hightech und Opulenz. Die Konstruktion ist einfach, lesbar, offensichtlich. Die Bewohner vertrauen der Erscheinung, die klaren, reduzierten Formen spielen den Raum frei.

Totoro ersetzt ein Einfamilienhaus im Einfamilienhausquartier, verdichtet und verbindet. Die geschossweise, auskragenden Vordächer reflektieren Zeit und Kontext, denn die offene, weich modulierte Topografie ist Wind und Wetter ausgesetzt, so dass die traditionellen Bauernhäuser und Ökonomiebauten im Umland auch stirnseitig, geschossweise durch zusätzliche Vordächer geschützt wurden – ortstypisch, markant eine eigene Identität bildend. Der Sender von Beromünster steht in unmittelbarer Nähe, von wo er mit weiter Sendekraft grosse Teile der Deutschschweizerin versorgte. Totoro ist ortsbezogen, eingebettet und dennoch Vorreiter und ein Signal, dass die Verdichtung nicht nur Enge und wenig Umraum bedeuten muss, es kann auch der optimierte Verbrauch von Quadratmetern sein, gerade wenn die innere Leere durch die Bewohner und die Patina geprägt werden. Kargheit lässt Gedanken Raum und hebt sich aus dem Gewohnten ab, gezielt und den Bewohnenden Platz zu schaffen.

Die schützenden Brüstungen vermitteln Geborgenheit im Innern und lagern darüber die grossflächigen Fenster, welche die Blicke in die Ferne schweifen lassen. Die Hybridebauweise aus einem massiven Kern mit übereinander gestapelten, einläufigen Treppen vermitteln via horizontal eingelegten Holzverbunddecken zur Fassadenkonstruktion. Der Lauf des Tageslichts ist omnipräsent: Alle Wohnungen orientieren sich, mit einem Seitenwechsel pro Geschoss, zu allen vier Himmelsrichtungen. Raum innen und Raum aussen, zueinander in Bezug gesetzt, geschützt durch Totoro, das Terrain respektierend, stets selbstbewusst, im Kontext des gemeinsamen Verweilens.

Die Materialien werden roh und rohbelassen eingesetzt, so dass sich eine natürliche Alterung einstellt. Das Innere wird durch rohes Holz geprägt, ein reduzierter Anteil ist in Sichtbeton. Die ausgefachten Trennwände werden in geklammerten Gipsfaserplatten roh belassen. In den Nasszellen kommen Mineralfaserplatten (Aquapanel) roh zum Einsatz, wobei hier die Rückseite verwendet wird, es resultiert eine Oberfläche textiler Anmut. Echt und vertrauenswürdig werden die eingesetzten Materialien präsentiert und lassen keine Vermutung aufkommen. Es ist was es ist und das ist ausreichend.

Der Anspruch des Projektes spiegelt die Sehnsucht nach Ganzheitlichkeit.

 

Bauherrschaft: Privat

Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Lüchinger Meyer Partner AG, Geltech AG, Forrer Engineering GmbH, Bünder Hydroplan AG, Raumanzug GmbH, Kiefer & Studer AG, Geotest AG

Fotos: © Jürg Zimmermann