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Location:
Schlieren, CH

Trublerhütte Schlieren

Die Trublerhütte (2007):  Ein CO2-posoitives Gebäude

Im November 2005 wurde die alte Trublerhütte durch einen Brand zerstört. Da der Sockelbau weitgehend erhalten blieb, entstand der Entschluss, die neue Hütte auf diesem Fundament wiederaufzubauen. Der Bauplatz liegt in Stadtnähe am Rand der Erholungszone auf einer Lichtung, umgeben von altem Baumbestand. Die Kombination aus Nähe zur Infrastruktur und idyllischer Umgebung macht die Hütte zu einem idealen Ort für gesellschaftliche Anlässe. Das architektonische Konzept basiert auf der Idee eines „Wald-Raums“, der jedem Besucher, unabhängig von der Nutzung, Sichtbezüge in die umgebende Natur eröffnet. Der Festraum ist gleichzeitig Innen- und Außenraum, eine Art Unterstand, dessen große Tore den Raum je nach Bedarf öffnen oder schliessen.

Das Dach bildet das prägende Element des Baukörpers. Es dient als Schutzdach, hält den Grundriss bei Regen trocken und spendet an warmen Tagen Schatten. Für diese Konstruktion wurden massive Holzbalken eingesetzt: 400 x 400 Millimeter starke Stämme, dicht an dicht gelegt, ergeben eine stützenfreie Decke. Die Dimensionen ergaben sich aus den Querschnitten gefällter Bäume im Schlieremer Wald, die nach Einschnitt genau diese Abmessungen ermöglichten. Spannweiten bis zu neun Metern werden so überspannt. Der Verzicht auf Wärmedämmung wird durch die Masse des Holzes kompensiert, welche für ein ausgeglichenes Raumklima sorgt. Eine minimale Aufdachdämmung garantiert zudem ein Dachgefälle und die sichere Ableitung des Regenwassers. Der Hauptraum wird von vier geschlossenen Körpern gefasst, während die Tore die Verbindung zur Umgebung herstellen.

Die Hütte ist als vorfabrizierter Holz-Elementbau realisiert. Die großen Tore prägen das Erscheinungsbild und bestimmen den Grad der Öffnung. Bei geöffnetem Zustand fliessen Innen- und Aussenraum ineinander, der Wald wird Teil des Festraums, und Tageslicht genügt den Anforderungen der Nutzung. Bei geschlossenem Zustand bieten die Tore Schutz vor Wind, Wetter und Vandalismus und verwandeln die Hütte in einen sicheren, kompakten Körper. Die überdachten Aussenbereiche erweitern den Innenraum flexibel und ermöglichen unterschiedliche Nutzungsvarianten.

Für die Konstruktion wurden insgesamt 40 Tannen aus dem Schlieremer Wald verwendet. Die Baumstämme bilden den Dachverbund, reagieren bauphysikalisch auf Temperaturveränderungen und schaffen ein angenehmes Raumklima durch die zeitverzögerte Aufnahme und Abgabe von Wärme. Durch den natürlichen Trocknungsprozess entstehen Risse im Holz, die durch vorbereitete Sollbruchstellen kontrolliert bleiben. Die sägerohe Oberfläche der Balken, kombiniert mit den Rissen, wirkt zudem positiv auf die Raumakustik.

Das Materialkonzept folgt einem rohen, ehrlichen Ansatz. Unterschiedliche Oberflächenqualitäten des Holzes verleihen den Räumen differenzierte Stimmungen: Die Decke bleibt sägeroh, die Tore sind gehobelt, Wände und Böden geschliffen. Ergänzende Einbauten wie Beleuchtungskörper, Kamin oder Küchenrückwand bestehen aus rohem Stahl und kontrastieren die warme Anmutung des Holzes. Die weit auskragende Dachkante schützt die Fassaden und Tore vor ungleichmässiger Verwitterung. Der gesamte Holzverbrauch beläuft sich auf 103 Kubikmeter: 58 Kubikmeter für das Dach, 27 für die Wände, 13 für den Boden und 4 für die Schiebetore.

Dank der Vorfabrikation der Hauptelemente konnte die Bauzeit vor Ort kurzgehalten werden. Dies reduzierte Immissionen, schonte Flora und Fauna und entsprach den Ansprüchen an ökologisches und umweltverträgliches Bauen. So entstand 2008 eine neue Trublerhütte, die durch ihre monolithische, skulpturale Erscheinung besticht, sich harmonisch in den Waldraum einfügt und zugleich die Tradition des Ortes in zeitgenössischer Formensprache weiterführt.

 

Bauherrschaft: Stadt Schlieren

Planung: Rossetti+Wyss Architekten, Lüchinger Meyer Partner AG, Zürcher Elektroplanungen AG, Bakus Bauphysik & Akustik GmbH

Fotos: © Jürg Zimmermann

Studienauftrag: 2006, 1. Preis