Date:
2005
Location:
Rüschlikon, CHWohnüberbauung SBB Rüschlikon
Der Leitgedanke der Schichtung bedingt auch die Südfassade. Die Geschossigkeit wird dennoch nicht verschleiert, sondern eindeutig offenbart. Die einzelnen Loggien, kleine Zimmer im Freien, verleihen der Seefassade das Attribut der “schöneren Fassade”, wie überall auf beiden Hängen des Seebeckens. Das leichte Verrücken der gedeckten Balkone zueinander deutet auf die “Beliebigkeit” des dekorativen Zeichens hin. Die bronzenen Brüstungen strecken sich über die ganze Fassadenlänge; auch dort wo keine Loggien vorhanden sind. Durch die Hangsituation und die serielle Fügung von Fensterfronten entsteht die Gedankenverbindung zum Berghotel; eine Sonderstellung in einem gewöhnlichen Umfeld. Die auf beiden Fassaden vorgeschlagenen bronzenen Gewebe (Koolshade) erfüllen die Aufgabe einer weitgehend durchsichtigen Beschattung mit hohem Wirkungsgrad (fest auf der Seefassade im Brüstungsbereich und von Hand verschiebbar auf der Bahnseite). Sie schützt und verschleiert die dahinterliegenden Bauteile. Die permanente Beschattung bestehend aus bronzenen Kleinstlamellen (1.27 mm Lamellentiefe) ist unterhaltsarm. Dazu ist sie energiesparend, verhindert den Treibhauseffekt im Gebäudeinneren, ersetzt den Blendschutz zur Bahn und ist leicht lärmabweisend (zwischen 2 und 3 dB). Bezeichnend ist jedoch der ästhetische Mehrwert dieser Konstruktion; ein bronzenes Gewebe, das für die Hausbewohner optisch kaum wahrnehmbar ist. Ein diaphanes, durchscheinendes Gewebe, das das Innere leicht und immer anders aufdeckt. Ein Gewebe, das das Licht der Nacht einfängt und das Gebäude in eine Laterne verwandelt. Die Wohnungen stehen auf einer anspruchsvollen, nicht leicht zu bebauenden Parzelle.
Aus den Einschränkungen der Bauvorschriften, der Topografie und des Bahnlärms gilt es einen Mehrwert im Wohnungstyp anzustreben. Die Mehrzahl der Wohnungen geniesst einen zweiseitigen Lichteinfall und öffnet sich auf das Gleisfeld mit Abendsonne und auf das Seebecken (die Raumbelüftung kann ausschliesslich aus der Seeseite erfolgen). Somit kann auf die wertvermindernden Laubengänge verzichtet werden; die Villa in Reihe löst das Laubenganghaus ab. Maisonettes treffen wir im Erdgeschoss und im Dachgeschoss, dazwischen Etagenwohnungen. Diagonalbezüge sowohl im Plan als auch im Aufriss erhöhen die Komplexität des Raumgefüges. So z.B. verfügen die Erdgeschosswohnungen im Gebäude 2 über einen beinahe zweigeschossigen Essraum mit eingebautem, freigestelltem Küchenmöbel. Die Kunst des Kochens geniesst den Blick auf den See und auf die Galerie der Schlafzimmer mit sitzenden, lernenden Kindern. Rückwertig fällt das, durch die bronzenen Gewebe filtrierte Abendlicht ein. Eilende, rückkehrende Pendler und quietschende S-Bahnkompositionen gehen unbemerkt für Auge und Ohr vorbei. Das Gegenstück dieser räumlichen Verschmelzung finden wir in den Dachmaisonettes in Form eines inneren, offenen und zur Abendsonne ausgerichteten Hofes, der beide Geschosse verbindet. Diagonal gegenüber öffnet sich die Loggia zum Seebecken. Auf der ganzen Seefassade wirken grosszügige Textilmarkisen wie feierliche, wehende Fahnen, ohne den Blick in die Ferne zu beeinträchtigen.
Bauherrschaft: SBB Immobilien AG
Planung: Generalplaner Bétrix&Consolascio AG / Rossetti+Wyss Architekten / Büro für Bauökonomie AG, Lüchinger Meyer Partner AG, Rutishauser für Bau, Verkehr und Umwelt GmbH, Hefti Hess Martignoni Elektro Engineering Aarau AG, Waldhauser Haustechnik AG, Büro Friedrich, Bakus Bauphysik und Akustik GmbH
Studienauftrag: 2005, 1. Preis

